Kapitulars Bibliothek von Verona


KURZE GESCHICHTE DER KAPITULARSBIBLIOTHEK

Unter den Schtàzen der Biblioteca Capitolare befinden sich teilweise Originale der antiken Schola Sacerdotum der Kathedrale von Verona und ihres Scriptorium, also eine Produktionstràtte fùr Liturgiebùcher und die Bildung des Klerus, welches wahrscheinlich bereits im IV. Jahrhunert nach Chr. existierte.

Die àlteste Handschrift ist mit Sicherheit im Veroneser Scriptorium abgefasst worden und ist gleichzeitig das erste sichere Dokument, das die Existenz der Schola und eine hierarchische Struktur der Priester, die das Zeremoniell in der Kathedrale zelebrierten, bestimmt.

Das ist die Handschrift Nr. XXXVIII, die von Ursicino, lector ecclesiae veronensis im Hahre 517 unterzeichnet wurde. Andere berùhmte Handschriften der Biblioteca Capitolare bezeugen die regen Aktivitàten des Scriptorium im VIII. und IX Jahrhundert, vor allem durch das Wirken des Archidiokonus Pacificus und des Bischofs Ratoldo, sowie im X. Jahrhundert, also zur Zeit des Bischofs Raterio.
Dies gilt auch fùr das XI. Jahrhundert, welches eine wichtige Periode, vor allem fùr die Liturgie, Musik und das Werk des Kantors Stefano darstellte. Das 14. Jahrhundert war die Zeit des Niedergangs des Scriptorium als wahre und eigentliche Produktionsstàtte (man bedenke, dass die berùhmten Corali der Kathedrale gegen 1368 von externen Werkstàtten in Miniatur gemalt wurden, und man sich damit on den Maler Turone di Maxio gewandt hot).
Gleichzeitig war dies jedoch auch die Zeit, in der die Bibliothek der Domherren aufgrund der sich dort in den vorangegangenen Jahrhunderten angesammelten Werke, die Aufmerksamkeit der Gelehrten auf sich zog. Es seien hier z.B. der Geistliche Giovanni de Motociis, der Autor der grandiosen Historia lmperialis, welche teilweise auf in der Biblioteca Capitolare aufbewahrten Quellen beruhen, und Petrarca, genannt, der grosse Dichter, der hier einige unbekannte Briefe des Cicerone entdeckte. Zur selben Zeit begann sich die Sammlung dank einiger Schenkungen zu erweitern, weber die wichtigsten Gaben die Manuskripte und Frùhdrucke von Paolo Dionisi aus dem Jahre 1501 darstellen.

Leider wurden aufgrund der Pest im Jahre 1630 die wertvollen Werke in einem tiefen Hohlraum eines vorstehenden Rahmens in einem hohen Schrank versteckt, wo sie in Vergessenheit gerieten: diese wurden erst im Oktober 1712 infolge der von Scipione Maffei angeregten Suche wieder aufgefunden.
Der aussergewóhnliche Fund der gut 99 Handschriften fand in ganz Europa Resonanz und zog erneut die Aufmerksamkeit der Gelehrten auf sich. So gab der Rat der Domherren im Jahre 1725 den Weg frei zum Bau eines gewolfigen Roumes zur Aufbewahrung und zum Genuss dieser Schàtze, welcher bereits 1781 um ein Stockwerk erhóht wurde.
Diese Sammlung wurde dank zahlreicher Schenkungen von Scipione Maffei, Francesco Bianchini, Giuseppe Muselli, Gian Giacomo Dionisi und vieler anderer immer bedeutungsvoller.
Dieser Raum wurde leider bei dem Bombenangriff cm 4. Januar 1945 zerstórt und nach dem Krieg teilweise wieder rekonstruiert.

Obwohl die Biblioteca Capitolare im Jahre 1797 von den Franzosen ausgeraubt wurde (die 31 Handschriften und 20 Inkunabeln wurden nach dem Sturz Napoleons nur teilweise zurùckgegeben), birgt sie heute einen stolzen Schatz von ca. 1200 Handschriften und Manuskripten, 245 Inkunabeln, 2500 Bànden aus dem 16. Jahrhundert, 2800 Bànden aus dem 17. Jahrhundert, sowie weitere 70.000 Werke und wertvolle Archive, allem voran das historische Archiv der Domherren.
Weiterhin dient die Bibliothek zu Forschungszwecken und ist Nachschlagequelle fùr viele Gelehrte, die hier regelmàssig Zugang haben. Von Zeit zu Zeit ist sie Mittelpunkt von Ausstellungen, die es einem grossen Publikum gestatten, die wertvolisten Handschriften und die zahlreichen Werke bewundern zu kónnen.


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